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19 jährige Deutsche soll Beihilfe am
Mord des Bankier Gottes geleistet haben
Stephan Fuchs - In Rom beginnt heute vor
einem Schwurgericht der Prozess um den Tod des italienischen Vatikan-Bankiers
Roberto Calvi. Auch dieser Prozess wird mit höchster Wahrscheinlichkeit
und nach bester Tradition im Sand verlaufen. Wie schon so viele
andere wo Mafia und Politik verstrickt sind. Der Prozess ist Unsinn.
Der schwarze Mönch hängt in der Brücke
Am morgen des 18. Juni 1982 entdeckte ein Mitarbeiter der Londoner
Tageszeitung Daily Express unter dem zweiten Bogen der Blackfriars
Bridge in London den Leichnam von Roberto Calvi, besser bekannt
als der „Bankier Gottes“. Sein Bein war angewinkelt,
in seinen Jackentaschen waren Backsteine, die ihn ordentlich nach
unten zogen und mehr als 10'000 in bar. Die Polizei ging von Selbstmord
aus, doch die war von Anfang an unglaubwürdig. Demnach sollte
Calvi, ein alter, kleiner, untersetzter Mann von stattlichen 120
Kilo Körpergewicht am 17.Juni 1982 abends im Stockdunklen
über eine schmale, glitschige Leiter die Blackfriars Bridge
hinabgestiegen, sodann über einen schmalen Gang entlangbalanciert
und ein hohes Gerüst hinabgeklettert sein.

Mit 120 Kilo & Backsteinen in den Taschen
über glitschige Treppen zum hängen gehen
Am Ende hätte er sich, knapp über dem Wasserspiegel
der Themse einen Strick um den Hals legen müssen, den er
zuvor am Gerüst hätte befestigen müssen, um sich
dann ins Wasser gleiten zu lassen, und das alles mit den schweren
Steinen in den Taschen, die man in seinem Anzug fand. Im Juli
2003 erklärte die italienische Staatsanwaltschaft in Rom,
daß Roberto Calvi ermordet wurde. Am 18. April 2005 wurde
schliesslich Anklage wegen Mordes an Calvi gegen die damals 19
Jährige Kärntnerin Manuela Kleinzig, ihr Ex-Freund und
Calvis Geschäftspartner Flavio Carboni sowie gegen zwei mutmaßliche
Mafiosi, Pippo Calo und Ernesto Diotallevi erhoben. Diese stehen
nun heute vor Gericht.
Mit der Gnade Gottes Milliarden verschwunden
1957 gründete Roberto Calvi in Lugano die Banca del Gottardo
mit späteren Zweigstellen in Zürich, Chiasso, Lausanne,
Frankfurt und Nassau. Der Liechtensteiner Rechtsanwalt Walter
Keicher gründete in Vaduz die Firma Lovelock, die später
zur Basis einer ausgedehnten Geheimstruktur neben der legalen
Banca del Gottardo werden sollte. 1960 übernahm die Ambrosiano
Bank 40 Prozent der Banca del Gottardo. 1963 gründete die
Lovelock in Luxemburg die Firma Copendium, welche schon bald damit
begann, an der Börse von Mailand insgeheim Ambrosiano Aktien
aufzukaufen. Darauf wurde in Lugano die Ultrafin gegründet,
wo ebenfalls Calvi im Verwaltungsrat sass. So baute sich Calvi
im Verlauf der 60er Jahre systematisch eine Doppelstruktur im
Ausland. Der geheime Teil wurde unter dem Dach der Liechtensteiner
United Trading getätigt, die von den Gottardo Managern Garzoni
und Bolgiani kontrolliert wurden.
Dann intensivierte die Banco Ambrosiana die Zusammenarbeit mit
der Vatikanbank IOR (Istituto Opere di Religione), es kam gar
zu einer strategischen Allianz. Präsident der IOR war der
aus Chicago stammende Erzbischof und ehemaliger Papstleibwächter
Paul Marcinkus. Er beteiligte sich an der Geheimstruktur Calvis.
Dazu übernahm die IOR Anteile an der Cisalpine Bank in Nassau,
einer offiziellen Ambrosiano Tochter die Calvi 1971 mit Fernando
Garzoni von der Gotthard Bank gründete.

Flavio Carboni (l) im Gespräch mit seinem Anwalt
Renato Borzone. Foto: Reuters/Max Rossi
Der ritte im Bunde von Calvi und Erzbischof Marcinkus wurde Michele
Sindona, der Bankier der sizilianischen Mafia und Mitglied der
Geheimloge Propaganda Due, P2. Sindona war ursprünglich ein
Steuerberater aus Messina, siedelte 1946 nach Mailand aus und
arbeitete seit den 50er Jahren für die legendäre New
Yorker Mafia Familie der Gambino. Das Trio war perfekt. Die umstrittene
Geheimloge P2, die Mafia und Geheimstrukturen des Vatikans verstrickten
sich im Sumpf. Die Schäfchen Gottes konnten gerissen werden.
Dabei verschwanden zwischen 1972 und 1981 mehr als 1,3 Milliarden
US-Dollar.
Gottes Zorn
Sindona, der in Amerika, Italien und in der Schweiz Banken und
Parabanken gründete verspekulierte sich gewaltig, bis sein
Imperium zerfiel. Die Geldzuflüsse der Gambino Familie versiegten.
1980 wurde er in Amerika zu 25 Jahren Zuchthaus wegen betrügerischen
Bankrotts verurteilt und 1984 nach Italien abgeschoben. 1986 wurde
Sindona als Auftraggeber der Mörder von Giorgo Ambrosoli,
der eine offizielle Untersuchung des Ambrosiano Bankrotts gemacht
hatte, zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Zwei Tage nach dem
Urteil starb Sindona im Gefängnis an einer Prise Zyankali
im Kaffe.
Der Bankrott der Sindona Banken brockte seinen Partnern Calvi
und Marcinkus einige Probleme ein. Calvi verschwand vor seinem
Tod mehrere Tage lang spurlos. Angeblich hatte er eine Tasche
mit belastenden Unterlagen über hohe italienische Politiker
bei sich. Calvi flüchtete über Österreich nach
England, dort soll er von der Mafia abgeholt worden sein. Ein
Auftragsmord, ausgeübt von zwei Mafia-Killern? Tatsächlich
berichtet ein Zeuge, dass zwei Italiener Calvi in seinem Hotel
abgeholt hatten. Danach wurde er nicht mehr lebend gesehen. Die
beiden Männer könnten Calvi erzählt haben, dass
er mit ihnen seine geheimnisvolle Flucht fortsetzen soll und ihn
so in ein Boot gelockt haben. Flavo Carboni habe den Auftrag dazu
erteilt. Carboni ist eine schillernde Figur mit Kontakten zur
Wirtschaft, dem Vatikan, der Politik - und der Mafia. Er organisierte
damals Calvis illegale Reise, er war in London als der "Bankier
Gottes" starb und mit ihm war seine damals 19 Jährige deutsche
Freundin Manuela Kleinzig.
Carboni wurde 1989 wegen Hehlerei angeklagt. Er soll versucht
haben, Papiere aus Calvis Aktentasche an den Vatikan zu verkaufen.
Ein Mafia-Pate sagte Anfang der 90er Jahre aus, Calvi sei ermordet
worden. Die beiden mutmaßlichen Killer seien inzwischen
aber selbst getötet worden. Manuela Kleinzig hatte sich gemeinsam
mit Carboni in London aufgehalten, als Calvi dort zu Tode kam.
Sie hat stets ihre Unschuld beteuert. Heute ist sie Mutter eines
achtjährigen Kindes. Ihre Anwältin Ersilia Barracca
versteht die Anklage nicht: "Bei einem Prozess um Calvis Tod in
Mailand hatte man meiner Mandantin nur vorgeworfen, dem Bankier
geholfen zu haben, Italien zu verlassen. Damals wurde sie freigesprochen.
Ich begreife nicht, wie man ihr jetzt Beihilfe in einem Mordfall
vorwerfen kann".
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