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Schwofen bis der Chip qualmt
Applied Digital Solutions (ADS) sprach von Verschwörung.
Es ging um die 75-prozentige ADS-Tochter Digital Angel, welche
die Patente am so genannten Verichip hält. Dieser implantierbare
Chip dient zur digitalen Brandmarkung und drahtlosen Identifikation
von Vieh, Schosstieren und Menschen. Beinahe wäre der Firmenschatz,
das Patent mit der Nummer 5,629,678 in die Hände des Computerriesen
IBM gefallen, denn diese hält die Firma Digital Angel als
Pfand in der Hand. ADS hatte bei IBM Schulden von insgesamt 77
Millionen Dollar. 46 Millionen US-Dollar wurden 2003 fällig,
die ADS allerdings auch nach der zweiten Deadline nicht zurückzahlte.
Intrigante Telefonverschwörung
Dafür beschuldigte ADS die Firma IBM der intriganten Telefonverschwörung:
ADS habe in Verhandlungen mit einer Investmentfirma gestanden,
die 20 Millionen US-Dollar anlegen wollte, dann aber von einem
Angestellten von IBM davon abgebracht worden sei. Um den „Gral“
behalten zu können, wurden dann Flugs 25 Millionen Aktien
verkauft. Dank der Einigung mit IBM, gehört die Aktie des
Technologieunternehmens Applied Digital nun zu den grössten
Gewinnern an der Nasdaq. Die Aktie stieg um satte 37%.

Schwofen bis der Chip qualmt
Nicht gestiegen ist die Sympathie Aktie des Unternehmens. Das
Konsortium macht sich trotz PR-Gags, wie dem Implantieren von
Stammgästen im holländischen Tanztempel Baja Beach Club
in Barcelona und Rotterdam und als allerneusten Gag in der Bar
Soba im schottischen Glasgow nicht beliebt. In dem Club sind durch
die Implantation bereits 40 Spanier zu ihrer eigenen Kreditkarte
geworden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat trommelt der Baja
Beach Club zur „Implantation Night“. Will ein Gast
zum „Very Important Person“ VIP werden, lässt
er sich einen Chip in den linken Oberarm spritzen. Dann noch schnell
den Vertrag unterschrieben, der den Club von der Verantwortung
für gesundheitliche Schäden entbindet, ein kleiner Piekser
und der Kunde ist zu einer wichtigen Person geworden. Es ist geschafft.
Der VIP bezahlt seine Drinks, indem er den Arm an ein Lesegerät
hält, das Geld wird praktisch vom Konto abgebucht. Der Besitzer
des Chip –Clubs, Conrad Chase, wollte seinen Gästen
einfach etwas wirklich Originelles anbieten. Das hat er geschafft.
Der Baja Beach Club ist nicht nur PR Gag, sondern auch Testlabor,
wie wir weiter unten noch sehen werden.
Auf einen Schlag in die Weltpresse
Nicht ganz so originell war das Pressekommunique von Verichip
am 2. August 2004. Darin schreibt die Firma: „Was haben
verlorene Hunde, verrückte Kühe und die mexikanische
Polizei gemeinsam?“ Verichip natürlich, denn der
mexikanische Generalstaatsanwalt Rafael Macedo de la Concha und
160 seiner Mitstreiter seien implantiert worden. Offensichtlich
sind aber, laut Macedo de la Concha, nur gerade 18 Personen implantiert
worden. Rund 43 Nachrichtenagenturen und Zeitungen haben die Pressemeldung
übernommen, unter ihnen CNN, MSNBC, Washigton Post etetc.
ADS hat geschafft was die Kritiker des implantierbaren Chips nie
schafften: Diese zwei Meldungen, jene über den Baja Club
und die Mexikaner, haben Verichip auf einen Schlag in die Weltpresse
geschossen. Verichip korrigierte die Zahl der in Mexiko implantierten
Regierungsmitglieder nie. Vielleicht war das auch nicht so wichtig,
denn die weltweite Aufmerksamkeit war nun gewiss. Die letzte Hürde
war jedoch noch nicht genommen. Die US Food and Drug Administration.
Seltsame Randnotiz
Verichip konnte, solange die US Food and Drug Administration (FDA)
die Zulassung als medizinisches Gerät verweigerte, amerikanischen
Bürgern bislang nicht ohne weiteres in Massen eingepflanzt
werden. In anderen Ländern, Mexiko und Spanien aber schon.
Ein praktisches Spielfeld für Tests. Am 13. Oktober 2004
verkündete ADS endlich die langersehnte Freigabe der Bundesbehörde.
Für die Aktionäre der Firma ein finales Geschenk und
einen weiteren Höhenflug an der Nasdaq Börse. Seltsam
immerhin die Randnotiz, denn bereits am 22. Oktober 2002 war in
einer Pressemitteilung der Firma zu lesen, dass diese Genehmigung
von der FDA erteilt worden sei. Diese Falschmeldung von ADS wurde
von der Aufsichtsbehörde schriftlich gerügt, worauf
die Pressemitteilung eine Korrektur erfuhr. Wie vertrauenswürdig
ist eine solche Firme? Besonders wenn sie Vorbehalte der FDA nicht
klar kommuniziert? Denn der Chip birgt auch Risiken. In einem
Brief von der FDA, datiert vom 12. Oktober 2004 steht: “The
potential risks to health associated with the device are: adverse
tissue reaction; migration of implanted transponder; compromised
information security; failure of implanted transponder; failure
of inserter; failure of electronic scanner; electromagnetic interference;
electrical hazards; magnetic resonance imaging incompatibility;
and needle stick.”

FDA Auszug
Dass es bei der Mini-Operation zu Infektionen kommen kann, dürfte
nicht verwundern. Schließlich ist jeder operative Eingriff
mit diesem Risiko verbunden und sei er noch so klein. Ähnliches
gilt für die Gefahr, dass es im Körper zu Abstoßungsreaktionen
kommen könnte. Die FDA weist aber auch daraufhin, dass es
zu "elektromagnetischen Interferenzen" kommen könne, zu "elektrischen
Problemen" und auch zur Inkompatibilität zum "Magnetic Resonance
Imaging", also dem hier meist als Kernspintomografie bezeichneten
Diagnoseverfahren. Laut einem 1997 von der FDA erstellten Primer
zu diesem Verfahren muss damit gerechnet werden, dass in metallischen
Implantaten möglicherweise elektrische Ströme erzeugt
werden, die zur Erhitzung und damit zu Verbrennungen des Patienten
führen kann.
Fliegende Aktienkurse
Macht nichts, Business as usual und am 10. November 2004 doppelte
das Unternehmen mit einem weiteren Erfolg nach. Die Allianz mit
dem Pharmakonzern Henry Schein! Über finanzielle Details
vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Applied Digital betonte
jedoch, dass Henry Schein einer der größten Vertreiber
von Healthcare-Produkten an Arztpraxen in Nordamerika und Europa
sei. In über 125 Ländern Nordamerikas und Europas vertreibt
Henry Schein aus Melville, N.Y. medizinisches Gerät. Die
Aktie von ADS stieg wiederum um 20%. ADS will jetzt, grosszügige
Geste, 200 amerikanische Schmerz-Zentren mit Chip-Scannern beschenken,
um der Chip-Krankenakte zum Durchbruch zu verhelfen. Zwischenzeitig
verkündete ADS auch die bindende Erwerbsabsicht des Technologie
Unternehmens eXI Wireless Inc. Damit hat Verichip eine potente
Firma mit weltweit über 200 Verteilern und Händlern
gewonnen. Am 6. Dezember 04, verkündete eXI Wirless seinen
Stolz die ersten zu sein, den Markt von Nordamerika mit Produkten
von Digital Angel zu beglücken.
Larry Kings mysteriöser Gast
ADS hat sich nun erfolgreich positioniert, um den Engel Verichip
fliegen zu lassen. Das GPS kompatible Projekt konnte nun wieder
aus der Schublade geholt werden. Bereits am 26. April 2002 erklärte
ADS Präsident Scott R. Silverman: „Wie wir von potenziellen
Kunden rund um die Welt hören, ist die Zeit reif für
unser neues Personal Location Device (PLD). PLD ist die implantierbare
Form von Verichip mit GPS Kapazität. Wir haben das Verlangen
nach dem implantierbaren Chip mit GPS Ortung gehört! Wir
arbeiten jetzt daran.“ Möglich machte dieses Statement
die Larry King Show Live auf CNN am 4. März 2002. John Walsh,
Showmaster von „America most Wanted“ vom TV-Kanal
FOX wurde von einem Anrufer aus Tampa (Florida) gefragt, ob implantierbare,
GPS-lokalisierbare Chips nicht dem Kidnapping vorbeugen würden.
Walsh antwortete: „Das ist eine brillante Idee. Ich wünschte,
jemand würde so etwas entwickeln. Ich hoffe jemand macht
das noch zu meiner Lebzeit.“ ADS, ganz in der Rolle einer
ritterlichen Geste, konnte nun per Zufall partout so etwas bieten.
Interessant wäre herauszufinden, wer der Anrufer aus Tampa
war und ob John Walsh für den dankbaren Gag eine Extra-Gage
bekommen hat. Um es ganz klar zu verdeutlichen: die Firma ADS
schaffte es, ihren lange gepflegten aber durch breiten öffentlichen
Druck zurückgezogenen Plan eines implantierbaren GPS Chips
zu lancieren: Auf öffentlichen Druck eines Anrufers aus Tampa!
Im May 2003 verlautete Dr. Peter Zhou von ADS die Frohbotschaft:
„Wir sind sehr ermutigt über die Feldtests des implantierbaren
PLD/GPS Prototyps.“
Höhenflug auf 775 Km
Vorweihnachtlich, am 15.12.2004, veröffentlichte ADS in einer
Pressemitteilung eine der letzten wichtigen Komponenten zum Verlinken
der PLD/GPS Technologie: Die Allianz mit Orbcomm. Die amerikanische
Firma Orbcomm garantiert durch 35 Microstar low earth orbit (LEO)
Satelliten in Umlaufbahnen auf 775 km Höhe, die weltweit
flächendeckende Verfügbarkeit der Daten die von Dulles
in Virginia aus überwacht werden. Pegasus Raketen, welche
von Flugzeugen aus gestartet werden, befördern gleichzeitig
8 Orbcomm Satelliten in die Umlaufbahnen. Dadurch können
nun PLD implantierte Personen lokalisiert werden. Der Schulterschluss
ADS / Orbcomm soll im weiteren auch weltweit neue Anwendungen
im Militär- sowie im Sicherheits- und Gesundheitsbereich
entwickeln.
Phantom Fuchs
Orbcomm wird in Deutschland durch die Fuchs-Gruppe vertreten.
Bereits im Jahre 2002 hielt die Fuchs-Gruppe durch die OHB Teledata
AG 12.70% Aktienanteile an Orbcomm. SES Global S.A., der weltweit
führende Satellitenbetreiber, hält 9% der Anteile und
ist Teil einer Kapitalerhöhung von 26 Mio. $US. Der Name
OHB steht für Orbitale Hochtechnologie Bremen und ist eine
von insgesamt acht Firmen der Fuchs-Gruppe, die unter anderem
auch in Mailand und Moskau ihren Sitz hat. Das 1993 gegründete
Phantom der Fuchs-Gruppe ist nicht nur deshalb bemerkenswert,
weil niemand die Hintermänner kennt, sondern auch weil dieses
Unternehmen mit mehreren Tochtergesellschaften eine "Gesellschaft
bürgerlichen Rechts/G.b.R." ist. Neben OHB gehören die
Mailänder Carlo Gavazzi Space und die Cosmos International
Satellitenstart GmbH. zum Gepäck der Fuchs-Gruppe. Letztere,
die Cosmos International, kooperiert mit russischen Firmen über
Satellitenstarts in Plesetsk und Kapustin Yar.
"Wir haben keine Ahnung wohin die Chips geliefert werden. Geheim!"
Doch vorerst wird nun der Markt auf dem medizinischen Segment
gestärkt. Wohl konnten bereits in einigen Ländern Verträge
mit Verichip Verteilern gezeichnet werden. Unter anderem mit der
schweizerisch-russischen Firma Russgps und Metro Risk, einer Firma
mit Sitz in Miami, die 1998 von Sicherheitspersonen gegründet
wurde und sich auf Antiterrorismus, Geiselbefreiung und Überwachungsfragen
spezialisierte. Die Verteiler-Firmen bleiben suspekt und abgerundet
wird diese Meinung durch Angela Fulcher, Verichip’s Kommunikationschefin.
Sie meinte dann auch: „Rund 7000 Chips sind verkauft worden,
etwa 1.000 davon sind implantiert. Wir haben keine Ahnung wohin
die Chips geliefert wurden, wir vermuten, dass viele zu Testzwecken
von militärischen Einheiten und Nachrichtendiensten gebraucht
werden. Darüber können wir aber nicht sprechen.“
Der Engel fällt tief.
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